Historie 1970 – 2010 2018-08-12T10:40:08+00:00

„Triumphale Erfolge“

Der Nachwuchs rechtfertigte in den nächsten zehn Jahren die in ihn gesetzte Hoffnung nicht nur. Vielmehr wurde durch ihn beim Korps eine Art dritte Generation eingeleitet. Doch zunächst wurde glanzvoll das Goldjubiläum gefeiert. Die Feierlichkeiten vom 19. – 21. August 1972 trugen nicht zuletzt dazu bei, daß in der Jahreschronik von einem stolzen Jubeljahr gesprochen werden konnte.
Doch bevor die „Alten Kameraden“ ihr goldenes Jubiläum feierten, statteten sie noch zahlreichen befreundeten Korps ihren Freundschaftsbesuch ab. Manche große Trophäe wurde bei den verschiedensten Wettstreiten gewonnen. Vom 45jährigen Bestehen des Settericher Korps kehrten sie mit dem höchsten Preis aus einer 36köpfigen Konkurrenz in ihre Heimatstadt zurück. Einzigartig schnitten die Würselener Spielleute bei einem Treffen in Breinig ab. Nicht weniger als vier Ehrenpreise wurden gewonnen. Als bestplaziertes Korps erhielten die „Alten Kameraden“ auch noch den vom damaligen Landrat Delheid gestifteten Sonderpreis. Mit seinen Kameraden konnte Ehrenkorpsführer Heinrich Havenith im Jubiläumsjahr so manchen Triumph feiern.
Dann kamen die Jubiläumsfeierlichkeiten. Es wurde ein Festbuch herausgegeben, das allgemein große Anerkennung fand. Beim Ehrenabend im Festzelt an der Poststraße gratulierten nicht weniger als 23 Vereine, was ein eindeutiger Beweis dafür war, welcher Beliebtheit sich die „Alten Kameraden“ sowohl innerhalb als auch außerhalb der Stadtmauern erfreuten. Nicht weniger dokumentierte sich das beim Festzug, der von 23 Korps und zehn Ortsvereinen gestaltet wurde. Als Gründer konnte das Korps Gottfried Schüller, Johann Leuchter und Wilhelm Becks ehren. Beim Dorfabend am Montag waren noch einmal 800 Besucher zur Stelle, um mit ihrem Korps das Goldjubiläum zu beschließen.

Über 500 Gäste feierten mit

Erste Erfolge beim Nachwuchs

Im Jubiläumsjahr wurde der Beschluß zur Anschaffung neuer Uniformen gefaßt. Erstmals in neuen Uniformen trat das Korps am 20. Mai 1973 beim 60jährigen Bestehen des FC Sparta auf. Doch gab es im Jubiläumsjahr auch zwei traurige Nachrichten. Aus dem Kreis der „Alten Kameraden“ verschieden das Ehrenmitglied Heinrich Voß und der langjährige Vereinswirt Josef Grafen. Auf der anderen Seite wurde der Ehrenkorpsführer Heinrich Havenith für seine 50jährige aktive Tätigkeit geehrt.

Mitte der 70er Jahre: Die „Alten Kameraden“ geben sich zum Fototermin am Haaler Dreieck ein Stelldichein.

Eine erfreuliche Aufwärtsbewegung setzte mit dem Jahre 1974 beim Korps ein, als acht neue Mitglieder aufgenommen wurden. Ihr silbernes Jubiläum feierten der Korpsführer Hubert Maaßen sowie die Aktiven Rudi Bleser, Peter Leuchter, Matthias Maassen und Franz Voß, die heute als die zweite Generation des Würselener Korps gewürdigt werden darf. Jedoch mußte man für immer von Matthias Claßen, dem Lehrmeister der Tamboure, Abschied nehmen. Unter der Leitung von Hubert Graf verbuchte der Nachwuchs im Jahre 1975 die ersten Erfolge in Eilendorf. Bei einem Wettstreit der Rheinklänge Aachen gab es, sage und schreibe, fünf Ehrenpreise für die Würselener Spielleute. Neue Mitglieder wurden auch im Jahre 1976 aufgenommen. Ein Novum war ein Konzert, das die „Alten Kameraden“ zusammen mit dem Orchester des Instrumentalvereins (heute Orchester der Stadt Würselen 1846) zugunsten der Aktion Sorgenkind (heute Aktion Mensch) veranstalteten.

Gemeinsam mit dem Instrumentalverein (heute: Orchester der Stadt Würselen) gestaltete das Trommler- und Pfeiferkorps „Alte Kameraden“ im Jahre 1976 in der Aula an der Klosterstraße ein Benefizkonzert

Das Korps dokumentierte damit zum ersten Mal und nicht zum letzten Male, daß es ein großes Herz für notleidende und bedürftige Menschen hat. Große Erfolge verbuchte die Jugend insbesondere durch die Erringung des Karl-Havers Wanderpokals bei einem Wettstreit in Kohlscheid. In offizieller Mission reisten 26 „Alte Kameraden“ 1976 in die bretonische Partnerstadt Morlaix. Musikalisch standen sie auf Einladung des Rates der Stadt Würselen Pate bei der Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunde.

Musikalisch standen die „Alten Kameraden“ Pate, als im Jahre 1976 in der bretonischen Stadt Morlaix die nun schon mehr als drei Jahrzehnte alte „Jumelage“ begründet wurde.

Ob der Erfolge, die die Jugend den „Alten Kameraden“ bescherten, richtete das Korps am 1. Juni 1977 einen Jugendwettstreit aus. Nicht weniger als 21 Korps entsandten über 120 Solisten mit Trommeln und Pfeifen nach Würselen. Auf gute Leistungen bei der Jugend konnte der Chronist auch im Jahre 1978 verweisen. Es verwundert nicht, dass die „Alten Kameraden“ am 01. Oktober einen zweiten Jugendwettstreit über die Bühne brachten. Über 100 Solisten kämpften um wertvolle Trophäen.

Leid und Trauer

Den ersten Auftritt im Jahre 1979 hatte das Korps am 18. Januar anläßlich der Vollendung des 90. Lebensjahres von Ehrenmitglied Wilhelm Felder, der sich bis ins hohe Alter hinein große Verdienste um die Ausbildung der Fanfarenbläser erworben hatte und dessen Tod im Monat September des gleichen Jahres beklagt werden mußte. Leid un Trauer überschattete das Leben des Korps in besonderem Maße im Januar 1980. Es begann am 10. Januar mit der Beisetzung des Ehrenmitglieds Peter Linnenberger. Auf der Jahreshauptversammlung wurde Gottfried Schüller zum Ehrenvorsitzenden sowie die ehemaligen Aktiven Johann Leuchter, der ebenfalls im September zu Grabe getragen wurde, und Franz Kremer zu Ehrenmitgliedern ernannt.
Tief traf die „Alten Kameraden“ am 22. September 1980 die Nachricht vom frühen Tod des langjährigen Schriftführers Josef Klinkenberg. Bis Mitte Mai hatte er noch die Chonik verfaßt, die von 1969 an eindeutig seine Handschrift trug. Sein Stellvertreter Jakob Leuchter würdigte in seinem Nachruf Josef Klinkenberg als einen lebensfrohen und unbekümmerten Kameraden: „Er trug mit Stolz die Fahne des Korps und seine Schaffenskraft wird unersetzbar sein.“
Schon ganz im Zeichen des 60jährigen Bestehens standen die Aktivitäten im Jahr 1981: Ein Festausschuß wurde gegründet und viele befreundeten Spielmannszüge wurden anläßlich ihrer Freundschaftstreffen und Wettstreite besucht.

Große Leistungserfolge

Erinnerungen werden geweckt an das 60jährige Bestehen.

Als das Ereignis des Jahres 1985 ging der zweite Besuch der „Alten Kameraden“ in der Partnerstadt Morlaix ein. Unvergessen geblieben ist das gemeinsam mit der „Batterie Fanfare“ vor dem Rathaus von Morlaix gestaltete Platzkonzert. Aber auch die Ausflüge in die nähere Umgebung der Partnerstadt unter der fachkundigen Führung von Josef Thielen leben in der Erinnerung fort.
Einen der größten Leistungserfolge verbuchte das Trommler- und Pfeiferkorps „Alte Kameraden“ am 13. Juli 1986. Vom Bezirksmusikfest in Übach-Palenberg kehrten die Spielleute unter Hubert Maassen mit dem Titel des Landesmeisters in ihrer Heimatstadt zurück.
Zwei Jahre später startete das Korps einen Ausflug nach Oberöstereich, um in Ampflwang am Marktmusikfest teilzunehmen. Gemeinsam mit Musikanten aus England, der Schweiz und dem Gastgeberland gestalteten die Spielleute aus dem Westen der Bundesrepublik eine internationale Rasenshow.

Wenn auch der Wettergott nicht ganz so mitspielte, so ging das 40jährige nicht weniger glanzvoll wie das 30jährige in die Geschichte des Korps ein. Nach mehr als 40 Jahren hatte der alte Schellenbaum am 26. Mai 1962 ausgedient. Ein letztes Mal wurde er vorangetragen, als die „Alten Kameraden“ ihren Jubilar und Korpsführer Josef Hess an seinem Haus an der Ankerstraße abholten. Beim Ehrenabend im Jugendheim St. Sebastian, wo 40 Jahre zuvor die Wiege des Korps gestanden hatte, wurde dem Korps vom Festausschuß ein neuer, schmucker Schellenbaum zum Geschenk gemacht.
„Möge dieser Schellenbaum dazu beitragen, die Kameradschaft und die Freude am Spiel zu fördern. Hoffen wir, daß Josef Hess noch viele Jahre als Korpsführer hinter ihm her schreiten darf.“
Mit diesen Worten überreichte der Festausschußvorsitzende, Heinrich Voß, das kostbare Geschenk.

Abschluß der Rasenshow im österreichischen Ampflwang

Den Feierlichkeiten zum 70jährigen Bestehen, die in etwas kleinerem, aber doch feinem Rahmen begangen wurden, ging im Jahr 1992 die Aufnahme einer eigenen Musikkassette vorauf. Die große Nachfrage danach sprach Bände für die Qualität und die Beliebtheit des Korps, der sich dieses auch nach mehreren Generationswechseln immer noch erfreut. Das 70jährige Bestehen war eingebettet in das Sommerfest des Vereins für Rasenspiele mit einem Bühnenspiel auf dem Sportplatz Drischfeld.

Erstes Vereinsfoto in wilhelminischer Uniform zum 70jährigen Jubiläum.

Ende einer Ära

In bester Erinnerung ist das Benefizkonzert, das die „Alten Kameraden“ gemeinsam mit dem Stabsmusikkorps der Bundeswehr auf der Burg Wilhelmstein veranstalteten.

Im Jahr 1995 brach das Korps nach langen und reiflichen Überlegungen mit seiner Tradition, nur männliche Aktive aufzunehmen. Unmittelbar nach Bekanntwerden dieses richtungsweisenden Beschlusses konnten sechs junge Mädchen zur ersten Probe begrüßt werden. Seitdem sind sie aus den Reihen der Aktiven nicht mehr wegzudenken. Schlagzeilen machten die „Alten Kameraden“ in diesem Jahr aber auch durch ein auf der Freilichtbühne der Burg Wilhelmstein veranstaltetes Benefizkonzert mit dem Stabsmusikkorps der Bundeswehr. Bei besten äußeren Bedingungen erlebten 900 Besucher einen musikalischen Hochgenuß. Runde 9.000,– DM (ca. 4.600 Euro) an Reinerlöß konnten dem Altenheim St. Antonius zur Verfügung gestellt werden.

Schließlich ging in diesem ereignisreichen Jahr noch die Ära von Korpsführer und Spielleiter Hubert Maassen zu Ende. Fast drei Jahrzehnte schritt er seinen „Alten Kameraden“ voran. Dabei präsentierte er stets ein Korps, das in seiner musikalischen Leistung und in seiner zackigen Haltung seine Handschrift trug und auch heute noch trägt. In seine Fußstapfen trat Winfried Mahr, der jedoch aus beruflich bedingtem Wohnungswechsel den Tambourstab an Guido Bleser weiterreichen mußte, der bereits in kürzester Zeit die jüngeren und älteren Spielleute auf sich einzuschwören vermochte.

Zweiter Generationswechsel:
Nach 37 Jahren trat Korpsführer Hubert Maassen von seinem Amt zurück. Seine „Alten Kameraden“ ernannten ihn zum Ehrenkorpsführer.
In seine Fußstapfen traten Winfried Mahr (rechts) und Guido Bleser (links).

Fünf Goldjungs

Mit einem glanzvollen Fest feierte das Trommler- und Pfeiferkorps „Alte Kameraden“ gemeinsam mit der Würselener Bürgerschaft sein 75. Jubiläum. Als Programmpunkte des schon Wochen vor dem Fest ausverkauften Galaabends waren der Trompeter Piet Knarren, die kölsche Mundartgruppe „Paveier“ und die „Original Eschweiler Fanfarentrompeter“ aufgeboten. An der Reaktion des Publikums konnte man sehr schnell ablesen, daß sich diese Wahl als Glücksgriff herausgestellt hatte. Die Besucher, denen es gelungen war eine von rund 1.200 Eintrittskarten zu ergattern waren dann auch hellauf begeistert.
Die ungeteilte Anerkennung des Vereins in der Würselener Bevölkerung kommt im Grußwort des Bürgermeisters Martin Schulz zum Ausdruck: „Auch heute begeistern die Mitglieder des Trommler- und Pfeiferkorps 1922 Alte Kameraden Würselen die Zuschauer und Zuhörer bei den vielen Gastspielen in unserer Heimatstadt, aber auch bei Auftritten in anderen Städten. Die „Alten Kameraden“ bilden einen festen kulturellen Bestandteil in unserer Stadt, wobei es ihnen mit viel Kreativität und Energie gelungen ist, ein beträchtliches Repertoire an Musikalität zu präsentieren. Die „Alten Kameraden“ haben mit bemerkenswertem Erfolg Musik und Heimat zu einer Einheit zusammengeführt.“

Das stolze Korps im Jahr des 75. Jubiläums 1997

Auch nach vielen Jahren seit Gründung des Korps gibt es noch neue Herausforderungen, denen sich die Trommler und Pfeifer immer wieder gerne stellen. So nahm der Verein im Jahre 1999 nach längerem Werben erstmals ein Engagement des Neusser Bürger-Schützenvereins an und spielte beim größten Stadtschützenfest der Welt, dem Neusser Bürger-Schützenfest, auf. Von der bis zum heutigen Tage auf höchstem Niveau präsentierten Qualität der „Alten Kameraden“ konnten sich nicht nur die viele Tausende Neusser Schützen und Zuschauer ein Bild machen. Auch während der Fernsehübertragung der Königsparade konnten die „Alten Kameraden“ in unnachahmlicher Weise brillieren. So ist es nicht verwunderlich, daß sich die Neusser Schützen schon früh der Dienste dieses Korps für das Jahr 2000 versicherten.Bis heute ist das Neusser Bürger-Schützenfest fester Bestandteil im Terminkalender des Vereins.

Einige ganz besondere Ehrungen konnte das Korps gegen Ende des Jahres 1999 aussprechen. Zunächst konnte Franz Schoenen für 40 Jahre ununterbrochener Tätigkeit in seinem Amt als 1. Vorsitzender des Vereins geehrt werden. Eine Leistung, die Einmaligkeit haben dürfte.
Aber auch einige goldene Jubilare konnten 1999 ausgezeichnet werden. Rudi Bleser, Peter Leuchter, Hubert Massen, Matthias Massen und Franz Voß sind nunmehr seit einem halben Jahrhundert aktiv bei der Sache. In all diesen Jahren standen sie für den Verein und für die unvergleichliche Kameradschaft die in ihm herrscht. Es würde den Rahmen sprengen all ihre Erfolge oder Ämter aufzuzählen, die sie in dieser langen Zeit errungen bzw. bekleidet haben. Franz Schoenen dankte ihnen, für ihren unermüdlichen Einsatz zum Wohle des Vereins, sei es in Vorstandsämtern, als Korpsführer und Spielleiter oder in ihrer jeweiligen Eigenschaft als Spielleute. Für eben diesen Einsatz für den Verein wurden alle fünf Jubilare zu Ehrenmitgliedern ernannt.

Die „Alten Kameraden“ beim Neusser Bürger-Schützenfest 1999.

Einen großen Schritt machten die „Alten Kameraden“ im Sommer 2006. Das Präsidium des Bundes der historischen Deutschen Schützenbruderschaften ernannte den Verein zum Bundestambourkorps.
Voraussetzung für diese besondere Auszeichnung ist enge Verbundenheit mit dem Schützenwesen im Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften, hervorragende musikalische Qualität und untadeliges Auftreten.
Mit der Auszeichnung vollzogen die „Alten Kameraden“ den Wechsel ihre Namens von Trommler- und Pfeiferkorps zu Bundestambourkorps. Die hohe Auszeichnung die dem Verein zuteil wurde, ist auch ein Ansporn für die Zukunft, die hohe musikalische Qualität zu bewahren, ganz im Sinne von Thomas Morus:

„Tradition ist nicht das Bewahren der Asche,
sondern das Weitergeben der Flamme.“

Trauer um den 1. Vorsitzenden

Mit großer Trauer und tiefer Betroffenheit nahm der Verein am 25. September die Nachricht vom Tode des langjährigen Vorsitzenden Franz Schoenen auf. Beinahe 48 Jahre hatte Franz Schoenen dem Verein vorgestanden und sein Name stand und steht wie kein zweiter für die Alten Kameraden. Stets Uneigennützig und um Ausgleich bemüht, lenkte er die Geschicke des Vereins über diesen langen Zeitraum. Vor allem sein Verdienst ist es, dass der Verein heute so gut aufgestellt und weit über die Grenzen seiner Heimatstadt hinaus bekannt ist.

Als neuer Vorsitzender wurde in der Aktivenversammlung am 8. Februar 2008 Günter Klinkenberg gewählt, der versprach, den Verein mit seinen Vorstandkollegen im Sinne von Franz Schoenen weiter zu führen.