Historie 1950 – 1970 2017-01-10T20:05:54+00:00

„Verdienstliches Korps“

Welche Sympathien das Korps zu seinem 30jährigen Bestehen bereits wieder in der Bevölkerung und in der Öffentlichkeit genoß, geht aus einem Grußwort von Bürgermeister Wilhelm Küppenbender und Stadtdirektor Gottfried Heyer hervor. Wie schrieben sie doch 1952:
„Die „Alten Kameraden“ sind eben für die Bürger der Stadt die alten Kameraden im guten Sinne, eine Gemeinschaft, die aus dem Vereinsleben der Stadt nicht mehr wegzudenken sein würde. Ihnen gilt zu ihrem 30jährigen Jubelfeste der Gruß und der Dank der Bürger der Stadt Würselen, ihnen wollen wir auch weiterhin in Bewunderung und Kameradschaft zugetan sein.“
In Erinnerung an den Werdegang dieser Spielgemeinschaft sagte Pfarrer Heinrich Lüpschen, ehemaliger Präses der „Alten Kameraden“:
„Keiner hat Euch auf die Beine gestellt und Euch in ein gemachtes Bett gelegt, von klein an seid Ihr gewachsen. Dieses Wachsen brachte Euch die Freude eigenen Schaffens, gab Euch aber auch manche Schwierigkeit zu überwinden. Daß Ihr es schaffen konntet, ist der Grund einer wirklich frohen Rückerinnerung, ist der Grund, aus dem Euch die Kraft kommt, auch weiterhin als eine verschworene Gemeinschaft zu bestehen und zu noch größerem zu wachsen.“
Und Pfarrer Lennartz, der Gründer-Präses, in weiser Voraussicht:
Wenn der gute Geist aufrechterhalten bleibt, von dem auch das Trommler- und Pfeiferkorps „Alte Kameraden“ immer getragen war, dann dürften auch die kommenden 20 Jahre bis zum goldenen Jubiläum dem verdienstlichen Korps zur Ehre gereichen.

Sympathien und Anerkennung

Was die Repräsentanten des öffentlichen Lebens und die ehemaligen Präsides in ihren Grußworten zum Ausdruck gebracht hatten, fand seinen sichtbaren Niederschlag in den Feierlichkeiten zum 30jährigen Bestehen. Durch drei befreundete Korps und die „Alten Kameraden“ selbst wurden am späten Samstagnachmittag die Feierlichkeiten angekündigt. In einem festlichen Ehrenabend, veranstaltet im Jugendheim St. Sebastian, ehrte das Korps nicht weniger als zwölf lebende Jubilare. Im Festzug und dem anschließenden Wettstreit auf der Festwiese Haaler Straße stellten sich immerhin 25 Korps mit den „Alten Kameraden“ selbst den kritischen Augen der Bevölkerung und den kritischen Ohren der Jury.

Mit diesen Worten bedankten sich Josef Hess, Gottfried Schüller, Peter Dreschers und Johann Leuchter für die „Alten Kameraden“ und Jean Leuchter, der Vorsitzende des Festausschusses, für den beim Fest gezeigten Gemeinschaftsgeist.

Mit einem Festball klangen die beiden Jubiläumstage aus, die wie ein wahres Volksfest in die Geschichte der Stadt eingegangen waren. Das geht aus einer Pressenotiz aus jenen Tagen hervor:
„Die Geburtstagsfeier des Trommler- und Pfeiferkorps „Alte Kameraden“ gestaltete sich zu einem wahren Volksfest für Würselen. Die ganze Stadt schien am Sonntagnachmittag beim großen Festzug auf den Beinen zu sein, um den „Alten Kameraden“ an ihrem 30. Geburtstag ihre Sympathie und Anerkennung zu bekunden. Bei der Veranstaltung auf der Festwiese waren so viele Besucher zugegen, wie wohl kaum bei einer ähnlichen Gelegenheit.“

Im Zeichen der glanzvollen Tage des 30jährigen Bestehens stand das Vereinsleben im nachfolgenden Jahr 1953. Weitere Aktivitäten wurden entwickelt: In karnevalistischer Aufmachung nahm das Korps am 15. Februar am ersten Rosenmontagszug der Stadt teil. Trotz kühler Witterung wurde das erstmals nach dem Krieg veranstaltete Sommerfest zu einem vollen Erfolg. Mit Sang und Klang ging das Korps am 16. August auf Vereinstour an die Mosel, ebenfalls ein Novum. Neue Uniformkappen wurden erstmals bei einem Wettstreit am 19. Juli 1955 in Brunssum (Holland) getragen.
Trotz der vielen Neuerungen, die das Vereinsleben in diesen zwölf Monaten erlebt hatte und die in Zukunft zum festen Bestandteil wurden, wurde das Vereinsleben im Jahre 1954 von magelndem Korpsgeist überschattet. Nachdem Geschäftsführer Johann Leuchter eindringlich gemahnt hatte: „Nehmt Euch ein Beispiel an Eurem Spielleiter Josef Hess, der mit seinen 50 Jahren immer zur Stelle ist.“, wurde die latente Krise wieder überwunden. Konnte doch der zweite Schriftführer Peter Leuchter in der Jahreshauptversammlung 1955 erfreut in der Chronik festhalten: „Durch echte Kameradschaft, gerichtet auf ein gemeinsames Ziel, ist es uns gelungen, die Segel wieder in den rechten Wind zu stellen.“

Glänzende Premiere

Das Schellenbaumtrio beim Aufmarsch Mitte der 60er Jahre am Kreuz Ecke Klosterstraße / Neuhauser Straße.
Von links: Peter Mundt, Karl Leuchter, Heinz Wissgens.

Wieweit das gelungen war, zeigte der durch fleissige Probenarbeit errungene Erfolg bei einem Wettstreit in Kohlscheid. Vier Ehrenpreise (Festzug, Korpsführer, Schellenbaum und Ehrenklasse) und ein zweiter Preis in der Solistenklasse A durch Josef Schiffgens waren die Ausbeute. Mit einer Hornbläsergruppe überraschten die „Alten Kameraden“ ihre Gäste beim Siftungsfest. Die unter der Leitung von Wilhelm Felder stehenden Bläser feierten eine glänzende Premiere. Wegen seiner besonderen Verdienste ernannte ihn das Korps daraufhin zum Ehrenmitglied.

Die leichte Krise des Jahres 1954 war längts vergessen. Fort schritten die „Alten Kameraden“ zu neuen Taten. Das nächste Ziel war die Anschaffung einer Uniform. Zum Stiftungsfest des Jahres 1956 traten 25 in schicke Uniformen eingekleidete Aktive an. An dunkle Gewitterwolken dachte in Kreisen des Korps niemand mehr.

„Zeitvertreib“ am Rande des Kirmesgeschehens: Oberes Bild von links: Heinz Becker, Hans Maassen, Franz Schoenen und Matthias Clasen. Unten: Heinz Wissgens, Hubert Graf und Hans Maassen. Wie sich die Bilder gleichen!

48 Jahre Franz Schoenen

Auf Sonne folgte jedoch Ende 1957 wiederum Schatten. Die älteren Kameraden traten von ihrer verantwortlichen Tätigkeit zurück. Eine grundsätzliche Veränderung der Struktur des Korps setzte ein. Jüngere Aktive – unter ihnen Franz Schoenen – wurden in den Vorstand gewählt. Am 18. Januar 1959 wurden ihm sogar als Vorsitzendem die Vereinsgeschicke in die Hand gelegt. Daß er das in ihn gesetzte Vertrauen rechtfertigte, sollten die folgenden Jahre beweisen. Mit dem Vorsitzenden Franz Schoenen durchlebte das Korps bis zu seinem Tode im September 2007 nicht weniger als 48 Jahre.

Um den Schellenbaum herum versammelten sich die Trommler und Pfeifer für dieses Bild vom 40jährigen Jubiläum.

Wenn auch der Wettergott nicht ganz so mitspielte, so ging das 40jährige nicht weniger glanzvoll wie das 30jährige in die Geschichte des Korps ein. Nach mehr als 40 Jahren hatte der alte Schellenbaum am 26. Mai 1962 ausgedient. Ein letztes Mal wurde er vorangetragen, als die „Alten Kameraden“ ihren Jubilar und Korpsführer Josef Hess an seinem Haus an der Ankerstraße abholten. Beim Ehrenabend im Jugendheim St. Sebastian, wo 40 Jahre zuvor die Wiege des Korps gestanden hatte, wurde dem Korps vom Festausschuß ein neuer, schmucker Schellenbaum zum Geschenk gemacht.
„Möge dieser Schellenbaum dazu beitragen, die Kameradschaft und die Freude am Spiel zu fördern. Hoffen wir, daß Josef Hess noch viele Jahre als Korpsführer hinter ihm her schreiten darf.“
Mit diesen Worten überreichte der Festausschußvorsitzende, Heinrich Voß, das kostbare Geschenk.

Das stolze Stück, das dem Korps vom Festausschuß als Geschenk übergeben wurde.

Farbenfrohe Uniformen

An diesem Ehrenabend wurde aber auch der aktiven und inaktiven Mitglieder gedacht, die sich seit langen Jahren mit unermüdlichem Eifer für die Belange des Korps einsetzten. Ehrenvorsitzender Jean Leuchter dankte den alten Recken für ihre Arbeit und Treue zum Verein. An der Spitze der Ehrung stand verständlicherweise Josef Hess, dessen 40jährige Korpsleitertätigkeit Seltenheitswert besessen haben dürfte. Mit ihm zeichnete das Korps dessen Mitarbeiter und Mitstreiter Gottfried Schüller, Wilhelm Becks, Johann Leuchter, Johann Mund, Josef Mirbach, Heinrich Jansen, Johann Kalz, Matthias Claassen, Quirin Einmal und Heinrich Havenith aus. Für seine 25jährige inaktive Mitgliedschaft wurde nicht weniger des Ehrenvorsitzenden gedacht. Eine große Enttäuschung brachte der Nachmittag des zweiten Festtages den „Alten Kameraden“. Nach langem Warten mußte der großartig vorbereitete und organisierte Festzug abgeblasen werden. Der Wettstreit der zahlreichen Vereine aus dem In- und Ausland mußte ins Jugendheim St. Sebastian verlegt werden. Durch einen kleinen Umzug wurde der Festzug doch noch gerettet, als die düsteren Gewitterwolken sich wenigstens etwas verzogen hatten. Unter den farbenfrohen Uniformen (vor allem der holländischen Freunde) hallte die ganze Innenstadt wider von den vielfältigen Klängen der Korps. Die Bevölkerung der ganzen Stadt nahm Anteil. So wundert es nicht, daß letztlich die Presse doch wieder von einem Volksfest für die „Alten Kameraden“ sprach:

Stolz auf Nachwuchs

Eine leise Vorahnung erfüllte den Jubilar Josef Hess, als er wenig später an die „Alten Kameraden“ appellierte, einen jüngeren Aktiven mit der verantwortungsvollen Tätigkeit des Korpsführers zu betrauen. Ehe die Spielgemeinschaft seinem Appell nachkommen konnte, überraschte sie am 17. April 1964 die traurige Nachricht vom Tode des verdienstvollen ersten Spielmannes, was der schwerste Verlust seit dem Aufbau des Korps nach dem Zweiten Weltkrieg war. Am 21. April 1964 trug das Korps einen alten Kameraden zu Grabe, dessen edle Gesinnung stets absolutes Vorbild war.
Welche Lücke der Tod in den Reihen des Korps gerissen hatte, wurde erst recht in den nachfolgenden Monaten deutlich, als die Frage des Nachfolgers gelöst werden mußte. Nach langem Hin und Her trat Michael Hess in die Fußstapfen des Vaters als Korpsführers; Hubert Maassen übernahm das Amt des Spielleiters. Nach drei Jahren stellte Michael Hess jedoch sein Amt zur Verfügung.
Vom 11. Juni 1967 schritt Hubert Maassen als Korpsführer und Spielleiter dem Verein – sage und schreibe 28 Jahre – voran. Unter seiner Stabführung ging es nach dem durch den Tod von Josef Hess bedingten Rückschlag schnell wieder aufwärts. Neben vielen Erfolgen, die in den nächsten zwölf Monaten errungen wurden, waren die „Alten Kameraden“ vor allem stolz auf ihren Nachwuchs, der für die Zukunft hoffen ließ.